Chronologische Geschichte des Hauses Hotel Zum Türken
  • Der Ursprung des "Türken" war etwa 1630 das Haus Jacobsbichel-Lehen, es gehörte seinerzeit zum Chor-Herrn-Stift Salzburg. Der damalige Hausherr musste 1683 für seinen Lehensfürsten in den Krieg gegen  die Türken ziehen. Nach seiner Rückkehr wurde er von den Einheimischen nur noch "der Türke" genannt. Sein Haus wurde von nun an zum "Türkenhäusel".
  • Im Laufe des 18. Jahrhundert konnten die Lehen von den damaligen Eigentümern erworben werden. Bis in die heutige Zeit sind die Bewohner der alten Lehen unter den Einheimischen nur nach dem Namen der von Ihnen bewohnten Lehen benannt.
  • Vorbesitzer des Türkenhäusels waren vor Karl Schuster unter anderem:
    Franz und Anna Koppenleitner [1891 - 1902]
    General Viktor von Liegnitz [1902 - 1911]
  • Am 27.09.1911 kauften Karl Schuster und seine Frau das Türkenhäusel auf dem Jacobsbichl für den damals stattlichen Preis von 8000,-- Goldmark.
    Hiernach baute Karl Schuster das Haus für weitere 109.000,-- Goldmark um und aus.
    Das alte Türkenhäusel wurde in den Neubau voll integriert und ist bis heute in Form des kleinen Gäste-Stüberls erhalten geblieben. Die Gasträume erhielten eine wertvolle und handgeschnitzte Ausstattung, unter anderem einen Wandfries mit dem Namen und Wappen der Fürst-Pröpste von Berchtesgaden.
  • Karl Schuster war ein vielseitiger Mann, spielte Zither, war Bergführer, Kommandant der Feuerwehr, Gemeinderat, Kunstmaler, Holzschnitzer und sehr bald der allseits bekannte "Türken-Wirt". Seine Frau, eine gebürtige von Kabas aus dem Schloß Winkelhof in Oberalm bei Hallein, war eine ausgezeichnete Köchin - Voraussetzung für einen gut gehenden Gasthof mit verwöhnter Kundschaft - eine ebenso hervorragende Wirtschafterin, eine fürsorgliche Mutter, deren Lebensmut und Beharrlichkeit sich bis auf die heutigen Eigentümer (alle in der ersten weiblichen Linie) übertrug.
  • Bis zum Jahre 1933 ging alles seinen relativ normalen Gang, mit viel Arbeit aber auch mit ebensoviel Anerkennung durch die [teilweise sehr illustren] Gäste. Viele prominenten Herrschaften gaben sich die Ehre und die Gasthausklinke in die Hand. Allerdings erschien auch solche Prominenz, die besser weggeblieben wäre und in den weiteren Jahren unsägliches Unheil über die Welt brachten: Adolf Hitler und sein Gefolge. So war es dann nicht weiter verwunderlich, dass sich Göring für das Hotel Zum Türken stark interessierte, jedoch mit Kaufangeboten bei Karl Schuster auf taube Ohren stieß. Dann ging alles Schlag auf Schlag und die offene und gerade Art von Karl Schuster wurde ihm, seiner Familie und dem Hause Zum Türken in letzter Konsequenz zum Verhängnis. Durch eine Unmengen von Repressalien "weich gekocht" verkaufte dann schließlich der [zwischenzeitlich wegen "diffamierender Äußerungen" inhaftierte] entnervte und gesundheitlich bereits angeschlagene Karl Schuster sein Anwesen um respektable 165.000,00 Reichsmark.  Von der vereinbarten Kaufsumme wurden kurzerhand  90.000,00 Reichsmark von der NSDAP einbehalten. Nach Abzug seiner Verbindlichkeiten verblieb Karl Schuster: NICHTS - außer einer unsäglichen Ohnmacht. Hiernach verstarb Karl Schuster verbittert und seinem Lebensmut beraubt 1934 im Alter von 56 Jahren.
  • Am 25.April 1945 wurde der Obersalzberg von den Amerikanern bombardiert und für den "Türken" schlug seine vermeintlich letzte Stunde. Stark getroffen und nahezu zerstört setzten dann am Haus die Plünderungen ein und es wurde in den nächsten Tagen alles gestohlen, was nicht niet- und nagelfest war und selbst das wurde noch demontiert.  Die mittlerweile auf dem Obersalzberg im "Berchtesgadener Hof" residierenden Amerikaner erwägten bereits die Sprengung des Türken.
  • Aber sie hatten die Rechnung ohne den Wirt, nämlich in Gestalt der künftigen Wirtin Therese Partner geb. Schuster, gemacht. Ende 1945 nahm sie Besitz von den verbliebenen Trümmern des Türken und machte sich mühevoll daran, ihre Heimatstätte notdürftig in einen relativ wohnlichen Zustand zurückzuversetzen. Sie erhielt von der Besatzungsmacht nach mehrmaligen und äußerst erniedrigenden Bittgesprächen die Erlaubnis, dort weiterhin zu wohnen.
  • 1948 strebte die Witwe von Karl Schuster das Wiedergutmachungsverfahren an.
    Nach einem unsäglichen Hickhack mit den Behörden konnte Therese Partner im Dezember 1949 das Anwesen für 69.000,00 DM vom Land Bayern zurück erwerben.  
  • Bis zum heutigen Tage führt die heutige Eigentümerin, Frau Ingrid H. Scharfenberg den "Türken" nach dem Motto weiter: "Nichts ist so schwer, als das es nicht zu heben wäre".
  • Besonderer Dank gilt an dieser Stelle den zahlreichen und immer wieder im Hotel Zum Türken einkehrenden Stammgästen aus dem In- und Ausland. 



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unsere Broschüre
42 Seiten


Eberweinstübchen
ca. 1930


Außenansicht
ca. 1930


Herrenstübchen

ca. 1930


..im Wandel
der Zeit


Karl Schuster
1878 - 1934


Therese Partner
geb. Schuster
1905 - 1971


Ingrid H. Scharfenberg